{"id":27,"date":"2018-03-16T20:28:21","date_gmt":"2018-03-16T20:28:21","guid":{"rendered":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/?p=27"},"modified":"2018-03-16T20:46:33","modified_gmt":"2018-03-16T20:46:33","slug":"hierarchie-im-betrieb-hoeher-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/?p=27","title":{"rendered":"Hierarchie im Betrieb: H\u00f6her = Besser?"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte vorausschicken, dass ich selber mehrere Firmen u. a. in der Baubranche (habe auch mal Bauwesen studiert) geleitet habe und als Unternehmensberater mit Existenzgr\u00fcndern, mittelst\u00e4ndischen Betrieben und Konzernen mit Milliarden-Ums\u00e4tzen zusammengearbeitet habe. Damit m\u00f6chte ich nicht angeben, sondern nur verdeutlichen, dass ich wei\u00df, wovon ich schreibe. Ich habe im Laufe der Jahre viele Menschen in allen Ebenen der Betriebshierarchie kennen gelernt und f\u00fchlte mich mit den Menschen gemeinsam am Flie\u00dfband genauso verbunden, wie mit den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern der gro\u00dfen Konzerne.<\/p>\n<p>Leider sind mir auch viele Probleme in der Zusammenarbeit von Abteilungen untereinander begegnet, noch mehr aber Unstimmigkeiten zwischen den \u201eeinfachen\u201c Arbeitern und \u201edenen da oben\u201c. Eben schrieb ich \u201ef\u00fchlte mich mit den Menschen gemeinsam am Flie\u00dfband genauso verbunden\u201c \u2013 sie haben richtig gelesen. Denn um einen Betrieb beurteilen zu k\u00f6nnen, um zu sehen wo die Schwachstellen sind, um die innere Struktur zu begreifen \u2013 nicht nur die theoretische, sondern die gelebte \u2013 ist es meines Erachtens unerl\u00e4sslich, mit denen zu sprechen, die allt\u00e4glich an den Maschinen arbeiten, die mit ihrem k\u00f6rperlichen Einsatz, ihrem Schwei\u00df die Produkte herstellen. Oder die tagt\u00e4glich im Verkauf den Kunden Rede und Antwort stehen, Regale einr\u00e4umen, Waren auszeichnen und was sonst noch so verlangt wird. Nat\u00fcrlich auch die, die vom B\u00fcro aus Abl\u00e4ufe steuern, die Buchhaltung machen und Briefe tippen. Was liegt also n\u00e4her, als in einem zu beratenden Betrieb erst einmal ein paar Tage \u2013 anonym \u2013 mitzuarbeiten. Nein, nicht um hinterher sagen zu k\u00f6nnen, wer gefeuert werden soll, nicht um die Kollegen anzuschw\u00e4rzen oder ihre Arbeit schlechtzureden, im Gegenteil, um zu erfahren, wo der Schuh dr\u00fcckt, wie die Stimmung im Betrieb ist, wo es Reibungspunkte gibt. Au\u00dferdem lerne ich so etwas \u00fcber die Produkte oder Dienstleistungen und kann die Arbeit gerechter beurteilen.<\/p>\n<p>Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass in vielen Betrieben die Stimmung \u201ean der Basis\u201c nicht mit dem \u00fcbereinstimmt, was die oberste F\u00fchrungsriege meint zu wissen. Unzufriedenheit wird im mittleren Management viel zu oft nach unten weitergeleitet. Es wird Druck gemacht, es wird mehr Leistung gefordert, ohne Ursachen f\u00fcr Probleme wirklich zu bek\u00e4mpfen. Viele Probleme werden gar nicht \u201enach oben\u201c gemeldet. So k\u00f6nnen ganze Konzerne in die Krise geraten oder sogar zum Absturz gebracht werden.<br \/>\nEs sind nicht nur die Zahlen, die einen Betrieb ausmachen. Es sind noch viel mehr die Menschen (Stoff im ersten Semester BWL). Nur weil einer eine h\u00f6heren Schulabschluss, ein Diplom, Master oder Doktortitel hat, ist er im Betrieb menschlich gesehen nicht mehr wert als der Staplerfahrer ohne Hauptschulabschluss und ohne Ausbildung.<\/p>\n<p>Ein Betrieb ist wie ein gro\u00dfes Uhrwerk. Ein paar gro\u00dfe R\u00e4der, einige mittlerer Gr\u00f6\u00dfe und viele kleine R\u00e4der sind notwendig, damit die Uhr immer genau die richtige Uhrzeit anzeigt, damit die Glocken immer p\u00fcnktlich und in richtiger Anzahl schlagen. Ob man das gr\u00f6\u00dfte oder das kleinste Rad herausnimmt, ist egal, das Ergebnis ist das Gleiche: Die Uhr l\u00e4uft nicht mehr. Was ist der Ingenieur, der Betriebswirt, der Chef ohne die Menschen, die jeden Tag f\u00fcr ihn arbeiten?<\/p>\n<p>Als ich eine Baufirma leitete, f\u00fchrte ich eine neue Technik ein, W\u00e4nde zu mauern. Die neuartigen Steine wurden auf die Baustelle geliefert und die Maurer vor Ort wussten damit erst mal nicht allzu viel anzufangen. Neue Werkzeuge und unbekannter M\u00f6rtel verunsicherten sie nat\u00fcrlich. Ich h\u00e4tte ihnen einen Plan geben k\u00f6nnen, eine Beschreibung, wie diese Steine richtig gesetzt werden. Aber das war nicht meine Art. An dem Tag hatte ich nicht den (damals noch) obligatorischen Anzug an. Wir hievten einige Steine auf das Kellerfundament, ich mischte im K\u00fcbel etwas von dem M\u00f6rtel an und setzte eine Ecke aus den Steinen, bem\u00fchte mich dabei so gut es ging verst\u00e4ndlich zu machen, worauf es ankommt, um ein gutes Sichtmauerwerk in viel k\u00fcrzerer Zeit als bisher zu erstellen. Ich musste aufpassen, nicht zu viel vom Ingenieur-Fachchinesisch einzubauen. Wenn die Maurer etwas nicht sofort verstanden, fragten sie nach. Auch kritische Fragen kamen, es gab nicht die h\u00e4ufig in Betrieben vorhandene Schranke, es existierte in dem Moment keine Hemmschwelle, keine Angst, was ich wohl angesichts der ein oder anderen Frage denken w\u00fcrde, ob ich den Mitarbeiter zurechtweisen w\u00fcrde. Es lag mir auch fern, irgendjemand blo\u00dfzustellen, als \u201edumm\u201c zu erkennen oder sogar blo\u00dfzustellen. Im Gegenteil, ich sch\u00e4tzte die Arbeit meiner Mitarbeiter, kannte meine F\u00e4higkeiten und Schw\u00e4chen und tat es ihnen, nachdem die kleine Mauerecke stand, mit einer lachenden Aussage kund:<\/p>\n<p>\u201eSo \u2013 und nun d\u00fcrft ihr weitermauern. Ich wei\u00df ganz genau, dass ihr das viel schneller und auch viel gerader k\u00f6nnt als ich!\u201c Ich strich dabei \u00fcber eine etwas unebene Stelle.<br \/>\n\u201eWenn es jetzt, gerade beim ersten Mal, noch nicht so klappt, etwas l\u00e4nger dauert, oder noch nicht so exakt ist, das macht nichts, dann werden die W\u00e4nde eben noch verputzt.\u201c<\/p>\n<p>Nach einer Woche war ich stolz auf meine Leute, mindestens so stolz, wie sie zu Recht selber auf sich waren. In der Zeit, die ich erst f\u00fcr zuk\u00fcnftige Bauten kalkuliert hatte, stand der Keller mit W\u00e4nden so gerade und glatt, dass ich problemlos \u00fcberall eine Latte anhalten konnte ohne nennenswerte L\u00fccken zu finden, so dass kein Putz notwendig war. \u00dcbrigens, normalerweise habe ich meine Mitarbeiter gesiezt, aber in solchen Momenten ist das \u201eDu\u201c verbindend, standen wir f\u00fcr eine Zeit auf einer Ebene, war ich nicht \u201eder von da oben\u201c. Meiner Autorit\u00e4t als Chef, die auch notwendig ist, hat das nicht geschadet. Im Gegenteil, ich wurde auch dann respektiert, wenn ich Kritik \u00fcben musste, war auch dann noch beliebt, wenn ich mich (selten) mal im Ton vergriff, mich daf\u00fcr sp\u00e4ter erst entschuldigte.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re ich gewesen, wenn ich nicht die Maurer gehabt h\u00e4tte, die Tag f\u00fcr Tag bei jedem Wetter sich den Buckel krumm geschuftet haben, f\u00fcr unsere Kunden, f\u00fcr meine Ideen, die ich zu Papier gebracht hatte. Ich bin diesen Menschen dankbar. Ich bin nicht \u201ebesser\u201c, weil ich tolle Pl\u00e4ne zeichnen kann, weil ich einen Betrieb aufbauen und leiten kann, weil meine Intelligenz, gemessen in IQ-Werten, vielleicht h\u00f6her ist. Nein \u2013 ich habe nur andere Aufgaben. Ich traue es mir auch nicht zu, so wie der Maurer jeden Tag auf der Baustelle Steine zu wuchten und bin froh, dass es diese Menschen gibt, die es sich nicht zutrauen die ganze Planungsarbeit zu erledigen. Ich respektiere sie, und daher respektieren sie auch mich.<\/p>\n<p>Merken sie was? Wenn F\u00fchrungsebene und Basis einen direkten Kontakt haben, auch wenn er nur kurz ist, wenn man selbst mal Hand mit anlegt und zugibt, dass man froh ist, Mitarbeiter zu haben, die das allt\u00e4glich machen \u2013 und in der Regel auch besser k\u00f6nnen, dann sind die Mitarbeiter motivierter, haben mehr Spa\u00df an der Arbeit, identifizieren sich mit der Gesch\u00e4ftsleitung. Die Arbeitsleistung wird automatisch besser.<br \/>\nIch schreibe bewusst \u201eidentifizieren sich mit der Gesch\u00e4ftsleitung\u201c. Es ist ein Unterschied, ob sie sich nur mit dem Betrieb oder auch mit der Gesch\u00e4ftsleitung, mit den Vorgesetzten identifizieren, genauso wie die F\u00fchrungskr\u00e4fte sich ehrlich mit den Mitarbeitern identifizieren m\u00fcssen. Denn nur dann entsteht das Vertrauensverh\u00e4ltnis, welches so wichtig f\u00fcr jeden Betrieb ist, der langfristig bestehen will.<\/p>\n<p>Diese menschliche Bindung ist meines Erachtens der wichtigste Schl\u00fcssel zu mehr Erfolg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Glieder eines Unternehmens sind aufeinander angewiesen. Erst wenn die Zusammenarbeit von gegenseitigem Respekt bestimmt wird, kann die Firma wirklich dauerhaft erfolgreich sein.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[7,8,9,6,10,5],"class_list":["post-27","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wirtschaft-personal","tag-ausbeutung","tag-chef","tag-mitarbeiter","tag-personal","tag-personalmanagement","tag-wirtschaft"],"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":"ac20babba8684e398a1f74b89952354c","server":"vg01.met.vgwort.de","url":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/ac20babba8684e398a1f74b89952354c"},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28,"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27\/revisions\/28"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/reti-reu.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}